Reisen mit Stil

Titel: Reisen mit Stil
Autor: André McFly
Username: André McFly
Wortanzahl: 1947
Charaktere: Der 6. Doctor, Melanie Bush
Genre: Comedy
Spoiler: /
Bemerkungen:Teilnehmer am Kurzgeschichten Wettbewerb „Der Doctor in Deutschland“
Inhalt: Der Doctor und Mel gehen unkonventionelle Wege für einen Urlaubstag.

 

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Doctor Who – Reisen mit Stil

Von André McFly

„Oh Gott, oh Gott…“ Murmelte der Doctor, als er durch die Gänge der TARDIS huschte.

Mel, welche es sich im Konsolenraum gemütlich gemacht hatte, betrachte aus den Augenwinkeln, wie der Doctor hin und her lief.
Immer als sie sich gerade wieder ihren Gedanken widmen wollte, huschte der Bunte Anzug des Doctors wieder an ihr vorbei – meist gefolgt von einem geseufzten: „O nein, o nein…“, oder: „Verdammtes…“ und dann Gemurmel.

„Doctor, ich habe ja nichts dagegen, wenn sie sich sportlich betätigen und durch die Gänge laufen, aber wollen sie mir vielleicht sagen, was denn los ist?“

Der Doctor blieb stehen, schaute auf den Boden, runzelte die Stirn und fummelte an seinem Kragen rum, bevor er schließlich – mehr zu sich selbst als zu Mel – sagte:

„Nichts… nichts… eigentlich nichts, gar nichts… nur… also für 2 Wochen… in etwa dürfen wir die TARDIS… sozusagen… nicht verlassen… “

Er blickte langsam auf und schaute in ihr Gesicht.
Eigentlich hatte er Wut und Empörung von ihrer Seite aus erwartet, doch Mel blieb ungewöhnlich ruhig.
Genaugenommen wirkte sie wie erstarrt.
Noch genauer genommen wirkte sie zwar ruhig, ihre Augen funkelten aber vor Zorn.

„Zwei Wochen?“

„Jap.“

„Zwei Wochen hier drinnen?“

„…Jap.“

„…Weil?“

„Ach sie kennen das doch, da mischt man “Chemikalie A“ mit “Volkskrankheit B“ und herauskommt “Giftiges Virus C“. Aber keine Angst… uns passiert nix… solange wir in Quarantäne bleiben. Und das heißt für uns, keine Frischluft für zwei Wochen. Die TARDIS Türen bleiben geschlossen.“

Mels Augen funkelten weiterhin und der Doctor erschauderte ein wenig, wenn er es sich auch nicht anmerken ließ.
Langsam ging er an ihr vorbei – ohne sie aus den Augen zu lassen, denn man weiß ja nie… – hin zur TARDIS Konsole und betätigte einen Hebel.
Sofort schlossen sich an den Türen hörbar die Schlösser und Mel verdrehte die Augen.

“Zwei Wochen… hier eingesperrt… mit ihnen… na das wird lustig.“

Der Doctor grinste und ging wieder in Richtung der Gänge.

„Lustig ist gar kein Ausdruck, wir werden noch viel Spaß haben.“

Es vergingen einige Tage.
Mel durchstöberte in der Zeit die Bibliothek, betätigte sich im, eigens für sie, neueingerichteten Fitness Raum, nutzte den Swimming Pool voll aus und forschte in verschiedensten Räumen nach interessanten Sachen, welche ihr über die Langeweile hinweg helfen sollten.
Gerade als sie aus dem Pool stieg und sich abtrocknen wollte, stürmte der Doctor auf sie zu und wies sie freudig, aber lautlos, an ihr zu folgen.

„Doctor, ich bin noch klitschnass und halbnackt.“ begann sie, doch der Doctor schüttelte mit dem Kopf, packte sie am Arm und zog sie mit sanfter Gewalt mit sich.
Er stoß eine, ihr unbekannte, Tür auf und betrat mit ihr einen kleinen, dunklen Raum.
In der Mitte des Raumes – und der Raum bestand eigentlich fast komplett nur aus “Mitte“ –standen zwei futuristisch anmutende Liegen, die mit allerlei Kabeln und sonstigen technischen Sachen versehen waren.
Vor den Liegen war eine kleine Konsole befestigt.
Der Doctor ging auf eben jene Konsole zu und drückte auf den Bildschirm.
Sofort erhellte sich der Raum um sie herum und entblößte seines Eiförmiges Aussehen.
Mel war sich jetzt eigentlich recht sicher, dass sie nicht in einem Raum stand, sondern mitten in einer Maschine.

„Doctor, was genau…?“ begann sie, doch der Doctor unterbrach sie und deutete auf die linke der Beiden liegen, während er weiter wild auf dem Bildschirm der Konsole tippte.

Mel tat wie ihr angewiesen und legte sich auf die Liege – nicht ohne kurz zusammen zu zucken. Schließlich trug sie noch ihren pinken Bikini und die Liege war, das wusste sie jetzt, nicht beheizt.
Der Doctor kam auf sie zu und legte ihr einen Helm an, an dem mehrere Kabel angebracht waren, welche mit der Konsole und der Liege verbunden zu sein schienen.

„Nicht erschrecken, das wird jetzt kurz unangenehm.“ Sprach er und betätigte einen Knopf an der Seite des Helms.

Mel spürte wie sich in ihren Ohren ein Druck aufbaute, wie beim fliegen in einem Flugzeug, aber dieser nach kurzer Zeit wieder verschwand.
Sie schaute den Doctor noch immer fragend an, woraufhin dieser sich endlich erklärte.

„Mel, dieser Raum ist ein Hologramm-Teleporter. Solange du diesen Helm trägst, kann ich dich überall im Universum hin transportieren. Die Maschine erstellt ein perfektes Abbild von dir und portiert ein Hologramm, ein Trugbild, über welches du die volle Kontrolle, wie in deinem eigenen Körper hast – wo auch immer du hinwillst. Die Nachteile sind allerdings, dass du nichts berühren, fühlen, riechen oder schmecken kannst. Aber es ist das Beste, was ich dir anbieten kann, um die TARDIS zu verlassen – oder zumindest sowas ähnliches. Ich würde es als reisen mit Stil – oder halt sowas ähnliches – bezeichnen.“

Mel überlegte kurz und sagte dann neugierig, wenn auch zögerlich:

„Ist es denn ungefährlich?“

„Selbstverständlich ist es das“ Antwortete der Doctor und setzte sich auf die Liege daneben „Ich habe diese Maschine schon mehrfach benutzt. Das letzte Mal mit einem Judoon. Für diesen musste ich extra eine neue Liege bauen, weil er in diese beiden hier nicht reinpasste.“

Mel erwiderte verwundert: „Einem was?“

„Judoon… große Nashorn-Aliens… Weltraumpolizei… arbeiten für die Shadow Proclamation… verstehen keinen Spaß… Gut, außer wenn sie betrunken sind… du willst sie aber nicht betrunken erleben, glaub mir… ein betrunkener Judoon der “My Way“ mit einer Karaoke Maschine singt und du bist dir sicher, dass du schon alles in diesem Universum gesehen hast.“

„Aber ich habe doch gar nichts an.“ Merkte Mel nun an, was den Doctor aber wieder nur grinsen ließ.

„Du kannst anhaben, was du willst. Es ist doch nur eine Projektion. Ich habe uns schon etwas rausgesucht.“

Mel wollte etwas darauf antworten, entschied sich dann aber, es dabei zu belassen und lehnte sich zurück.
Der Doctor setzte sich selbst einen baugleichen Helm, wie den von Mel, auf und betätigte ebenfalls den Knopf an der Seite.
Daraufhin lehnte er sich zurück und ergriff eine Fernbedienung, welche neben seiner Liege baumelte und ebenfalls mit der Konsole verbunden zu sein schien.
Auf der Fernbedienung befand sich nur ein großer, roter Knopf.

„Bist du bereit?“ fragte der Doctor und grinste zu Mel herüber.

„Wo genau soll es denn hingehen?“ fragte Mel.

„Su Taikun, der größte Zooplanet des Universums.“ Antwortete der Doctor.

„Zooplanet?“

„Ja, der ganze Planet ist ein Zoo, auf welchem sich dreiundachtzig Komma drei Prozent – und hier zitiere ich die Werbung – aller Tiere aus dem ganzen Universum befinden sollen.“

Mel überlegte kurz, schloss die Augen und nickte.
Freudig glucksend drückte der Doctor auf den roten Knopf in seiner Hand und schon in der nächsten Sekunde stand Mel auf einer Wiese.
Es war keine besonders große Wiese und ringsherum waren dicht befahrene Straßen.
Es musste Sommer sein, denn viele Menschen sonnten sich, oder Picknickten.
Am Ende der Wiese stand ein riesiges, altes Stadttor, auf dem mit Goldenen Buchstaben stand:

Concordia domi foris pax

„Oh“ sagte der Doctor enttäuscht und blickte sich um „Ich habe wohl vergessen den Zufalls-Algorithmus auszuschalten… Wir sind nicht auf Su Taikun… Wir sind… –“ Er streckte die Zunge aus, so als wollte er die Luft schmecken „Ja, das ist definitiv die Erde. Früher Anfang des einundzwanzigsten Jahrhunderts. Könnte aber auch der zweiunddreißigste sein… Da möchte ich mich nicht festlegen, die waren da schon sehr Retro. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir uns in Deutschland-“ Er streckte noch einmal die Zunge aus: „In Nord-Deutschland befinden. Mel, ich glaube wir sollten einfach…-“

Sein Blick wanderte in Richtung seiner Begleiterin und sofort verstummte er.
Neben ihm stand nicht, wie er natürlich erwartet hatte, Melanie Bush, sondern ein großes, graues, auf zwei Beinen stehendes Nashorn. Genau genommen, ein großes, graues, auf zwei Beinen stehendes Nashorn… welches einen pinken Bikini trug.

„Doctor, ich fühle mich irgendwie seltsam, so als wäre ich größer als sonst. Haben sie mich in ihrem Gerät etwa größer eingestellt, als ich normalerweise bin?“ begann das Nashorn zu sprechen – und es wirkte schon sehr seltsam, dieses große, furchteinflößende Geschöpf – wenn man vom pinken Bikini mal absah – mit Mels Stimme sprechen zu hören.

Der Doctor kratzte sich am Hinterkopf – wobei dies mehr eine Geste war, denn er konnte ja nichts fühlen – und räusperte sich leise:

„Es… es tut mir leid, Mel… Ich fürchte, ich habe ein paar Einstellungen durcheinander bekommen…“

Das Nashorn schaute etwas verdutzt, aber gluckste daraufhin:

„Na ein paar Zentimeter mehr oder weniger, haben noch niemandem geschadet. Mich stört es jetzt nicht unbedingt.“

Noch bevor der Doctor darüber nachdenken konnte, wie er seiner Begleiterin beibringen konnte, dass sie aussieht, wie ein Judoon der vom Strandurlaub auf Ibiza nachhause kam, wurde er von lauten, umliegenden Schreien aus seinen Gedanken gerissen.
Scheinbar war er nicht der einzige, der das riesige Nashorn gesehen hatte.
Die Menschen, welche sich ebenfalls auf dieser Wiese befanden, rannten nun panisch – gut bis auf die paar, welche mit Handykameras auf den Time Lord und den Judoon zielten – und laut schreiend vor ihnen weg.

Der Mel-Judoon drehte sich zum Doctor und sagte in einem leisen, vorwurfsvollen, ja fast schon ermahnenden Ton:

„Sehen sie, was ihr Regenbogen-Mantel anrichtet? Die Leute haben panische Angst vor ihnen! Ich denke, wir sollten zurück und sie ziehen sich was anderes an.“

Der Doctor wollte sich gerade aufplustern und sich darüber beschweren, dass nicht sein Mantel Grund für den Aufruhr sei, sondern Mels Erscheinung.
Doch dann fiel ihm ein, dass dies die perfekte Entschuldigung sei um, ohne dass sie jemals etwas davon erfährt, den Ausflug abzubrechen.
Er zog eine genaue Kopie der Fernbedienung, welche sie überhaupt erst dort hin transportierte, aus seiner Tasche und drückte, wie schon zuvor, auf den großen roten Knopf.

Sofort befanden sich beide wieder zurück in der TARDIS, wo sie immer noch, in dem kleinen Raum, auf den beiden Liegen lagen.
Der Doctor sprang auf und ging sofort zur kleinen Konsole.
Und, genau wie er sich dachte, hatte er vergessen den Algorithmus für Zufällige Orte auszuschalten.
Also tat er dies und fügte wieder, wie ursprünglich angedacht, Su Taikun als Zielort ein.
Anschließend öffnete er ein anderes Menü und überprüfte die Erscheinungsbilder.
Seine Hand klatschte gegen seine Stirn, als er bemerkte, dass er bei Mel nicht eingestellt hatte, dass die Maschine ihren Körper, sondern nur ihre Kleidung kopieren sollte – und der Körper immer noch von seinem letzten Benutzer, dem Judoon, eingespeichert war.
Ein paar gezielte Einstellungen und er hatte das Problem behoben.
Er guckte von der Konsole auf und blickte auf Mel, welche, sichtlich gelangweilt – und frierend – auf ihrer Liege saß.

„Sie brauchen aber lange für die Koordinaten.“ Brummte sie und schaukelte ihre Beine hin und her.

„Ich musste noch… ähm… Ich habe mir noch einen anderen Mantel programmiert, damit es nicht noch einmal zu so einem Aufruhr kommt.“ Log er.

„Das ist eine sehr gute Idee“ erwiderte Mel zustimmend und fügte hinzu: „Ich hoffe dieses Mal einfarbig.“

Der Doctor legte sich wieder auf seine Liege und Mel tat es ihm gleich.
Wieder nahm er die Fernbedienung mit dem roten Knopf in die Hand und schaute auf Mel, welche ihm zunickte.
Er drückte den Knopf.
Schon standen beide auf einer riesigen, Savannen-ähnlichen, Fläche – umringt von allerlei seltsamen und fremden tierischen Geschöpfen.

„Siehst du Mel, dieses Mal sind wir richtig. Das ist eindeutig…-“ und wieder unterbrach sich der Doctor selbst, als er auf seine Begleiterin blickte.

Nun, der Körpertransfer hatte einwandfrei funktioniert.
Vor ihm stand Mel – in seinem bunten Anzug.
Verdutzt stellte der Doctor fest, dass Mel laut loslachte, als sie ihn sah und, während sie sich mit der einen Hand den Bauch vor Lachen festhielt, mit der anderen auf ihn zeigte.
Der Doctor riss nun erschrocken die Hände vor sein Gesicht – in Erwartung auf zwei Judoon Hände zu blicken – doch er sah nur seine eigenen, normalen Hände.
Er war also kein Judoon.

„Glück gehabt!“ dachte sich der Doctor noch, bis er den pinken Bikini sah, den er trug.

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ENDE

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2 thoughts on “Reisen mit Stil

  1. Als Teilnehmer am Wettbewerb „Der Doctor in Deutschland“ wurde die Geschichte von einer 6 Personen starken Jury bewertet. Dabei belegte sie den 6. Platz mit 5,95/10 Punkten.

    Gesammelte Kommentare der Jury:

    „Rechtschreibung und Grammatik sind fehlerhaft.“

    „Eine kurzweilige Geschichte, die einem mehrere Male ein Schmunzeln entlockt. Nette Pointe, die Länge des Textes ist der Handlung und den Pointen angemessen.“

    „Witzig, wenn auch leicht gezwungen witzig; gute Länge; Doctor und Mel nicht wirklich getroffen; sprachlich wenig zu meckern; „Deutschland“ schon etwas gezwungen in die Geschichte gepopelt; unterhaltsam, aber es fehlt die geniale Idee von z.B. Neuland.“

    „Zu gerafft und zu wirr.“

    „Süße Idee, in eine relativ belanglose Geschichte verpackt. Spaßig aber alle male“

    „Sprachlich solide, aber leider viel zu wenig Handlung“

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